Neues Buddenbrookhaus  // Lübeck //  WETTBEWERB // Bauen im Bestand // mit Yosuke Fujita // Gourdin & Müller

Wie zwei ungleiche Brüder werden die Häuser in der Mengstraße 4 und 6 zusammengeführt. Ihre Eigenständigkeit wird durch Ihre unterschiedlichen Schaugiebelfassaden in Szene gesetzt. Jedes Haus erzählt seine eigene Geschichte. Ein Spiel zwischen Fiktion und Wirklichkeit sowie Tradition und Moderne, welches auch einen Blick hinter die Kulissen erlaubt.

Der Blick von Oben fällt auf zwei, der Parzellierung entsprechende Mansarddächer,   die mit ihren Dachformen das Stadtbild, zum Beispiel mit dem Blick von der   Marienkirche, schließen. Die Verbindung der Häuser wird durch ein   flachliegendes Zwischendach deutlich.

Unmissverständlich wird der ursprüngliche Eingang des „Buddenbrookhauses“ weiterhin als Haupteingang genutzt und dient der Adressbildung. Der Shop ordnet sich sich bewusst durch einen Rücksprung sowie eine klare Form unter. Mit ortsüblichem Klinker wird im „wahrsten Sinne des Wortes“ eine Vorhangfassade ausgebildet. Die für Lübeck typischen Giebelfassaden werden fortgesetzt ohne zu historisieren. Auch im Falle einer neuen Fassade bleibt die Ansichtssilhouette erhalten.

Eine klare Gliederung stellen zwei eigenständige Gebäude dar, die im Inneren miteinander „vernäht“ werden. Der unberührten historische Fassade des „Buddenbrookhauses“ steht ein neu interpretierter Stufengiebel gegenüber und schließt die Straßenansicht.  Das Mauerwerk in „brasilianischem Verband“ verweist auf die Herkunft der Mutter und bringt natürliches, blendfreies Licht für Ausstellung und Treppenhäuser ein. Ein- und Ausblicke entstehen durch den sogenannten Gardineneffekt. Je nach Entfernung und Betrachtungswinkel entsteht hier eine vielschichtige Erzählform, die zur Ausstellung wird. Die Bauabschnitte grenzen vertikal entlang der Brandwand zwischen Haus 4 und 6 und horizontal auf den vorhandenen Kellergeschosswänden. Einen weiteren unabhängigen Bauabschnitt stellt die Fassade der Mengstraße 6 her, womit die momentan vorhandene Fassade bestehen bleiben kann bis sie transloziert wird.

Der Neubau steht klar erkennbar neben dem „Mannhaus“, ohne dieses zu dominieren. Der Stufengiebel fügt sich in das ursprüngliche Stadtbild ein, macht jedoch deutlich, dass hier etwas „Neues“ steht und auf eine ungewöhnliche Geschichte verweist. Ein respektvoller Umgang nicht nur mit dem Bestand sondern auch mit der Geschichte beider Häuser wird über die historische Parzellierung, deutliche Ablesbarkeit der unterschiedlichen Baukörper, sowie den ursprünglichen Geschosshöhen angestrebt. Die Brandwand zwischen den Häusern wird freigelegt und ihre eigentlichen Durchgänge für die Besucher erlebbar gemacht. Alle zeitgeschichtlichen Strukturen, vom Mittelalter bis zum 18. Jahr-hundert, bleiben sichtbar, beziehungsweise werden freigelegt. Neuzeitige Eingriffe werden entfernt, wobei die Spuren in Form von glatten Zementoberflächen sichtbar bleiben. Um die Kreuzgratgewölbe wahrnehmen zu können, werden Raumtrennungen im Kellergeschoss zwischen den Pfeilern vorgen.

Die funktionalen Anforderungen an die Erschließung sind einfach und intuitiv aufgebaut. Der Zugang zur Ausstellung erfolgt für sämtliche Besucher, auch in der Mobilität eingeschränkte Personen, über den historischen Eingang der Mengstraße 4. Das Entrée mit Kasse ist offen, einladend und übersichtlich gestaltet. Es bietet Platz für das Sammeln von Gruppen und ermöglicht Einblicke in die Ausstellung, sowie eine Sitzgelegenheit für die ankommenden Gäste. Ein kontrollierter Zugang zu den Garderoben und WC Anlagen im Keller erfolgt über die zentral gelegene Kasse, die gleichzeitig den Shop bedient. Zur Sonderausstellung, Bibliothek, Verwaltung, sowie dem Dachcafé gelangt man über den hofseitigen Eingang von Haus 6. Zusätzlich zum Treppenhaus verbindet ein Fahrstuhl alle Geschosse miteinander. Das Sicherheitskonzept ermöglicht über einen Schlüsselchip nur Zugang zu autorisierten Bereichen. Die Anlieferung erfolgt hofseitig.